Der Felskader berichtet:

Der Felskader Trip 2018 geht nach Simbabwe! Soviel stand schon seit Mai 2017 fest und nun geht es an’s Recherchieren, Telefonieren, Organisieren und Finanzieren. Gar nicht so einfach, wenn acht Personen aus fünf unterschiedlichen Städten so einen Trip planen. Einige Skype-Sessions, Nerven und Google Dokumente später steht unser Plan:

Flüge in die Hauptstadt Simbabwes (Harare) und auch die Mietwagen vor Ort sind deutlich teurer als im Nachbarland Südafrika. Deshalb beschließen wir nach Johannesburg zu fliegen und dann mit dem Auto über die Grenze zu fahren. Dan Bates, ein alter Freund von Ole hat das Bouldergebiet Chimanimani mitendeckt und beschließt sich unserer Gruppe anzuschließen. Er ist seit 8 Jahren dabei um die Welt zu reisen und war die letzten 3 Jahre in über 30 Ländern Afrikas unterwegs. Für uns eine super Möglichkeit, um uns schneller in dieser neuen Umgebung zu orientieren. Süfafrika gilt als das „Europa“ Afrikas – dort gibt es Straßen, medizinische Versorgung, eine stabile Regierung. Zimbabwe hingegen ist ein Afrika wie man es leider ab und zu in den Nachrichten zu sehen bekommen muss. Im November 2017 wurde der 30 Jahre amtierende Diktator Robert Mugabe vom Militär geputscht. Einige Tage bevor wir in das Land reisen werden, sind Neuwahlen. Das und die mangelnde medizinische Versorgung bereitet uns zwar Sorgen, lässt uns aber von unserem Vorhaben nicht zurück schrecken.

Da wir brutal viel Gepäck dabei haben werden vier von uns von Johannesburg nach Bulawayo mit dem Bus fahren und von dort aus weiter in Dans ausgebautem Panzer.

Treffen wollen wir uns bei Derrick Starling in Bulawayo, einem weiteren Freund zu dem wir bereits Kontakt hatten und der uns netterweise bei sich eine Unterkunft und all sein Insiderwissen über das Klettern und Bouldern in Simbabwe zur Verfügung stellt.
Soweit die Theorie – die Praxis kam dann doch noch etwas anders.

Bei unserer Ankunft in Johannesburg gibt es schon die erste Überraschung: Unser reserviertes Auto ist nicht verfügbar. Wir stehen mit unseren 4 Crashpads und Bergen an Rucksäcken vor dem Schalter und die gute Frau will uns doch tatsächlich weissmachen, dass wir „doch mit diesem schicken winzig kleinen Auto hier“ durch die Gegend fahren können. Na ja, irgendwie war ihr dann auch klar, dass das nicht klappen wird. Nach ungefähr zwei Stunden hin und her Gerede bekommen wir zwei Autos. Zum Preis von einem. Nice! Das hat sich schon mal gelohnt. Da in Zimbabwe importierte Lebensmittel sündhaft teuer sind – zum Beispiel eine Flasche Heinz Ketschup (keine Schleichwerbung) 10 Euro – fahren wir mit voll beladenen Autos in Richtung Grenze los.

Die Autofahrt nach Bulawayo zieht sich, da es um 6 dunkel wird und es dann ungemütlich auf den Staßen wird. Keine Straßenbeleuchtung, Autos die in Deutschland vermutlich schon seit Jahren keinen TÜV mehr bekommen hätten oder Freunde des Motorsports, die den Benutzen einer Fahrzeugbeleuchtung als nicht so wichtig erachten, ist in Afrika ganz normal. Dazu kommt, dass Esel, Rinder und Affen auf der Straße rumrennen, und es oft auch nur einen asphaltierten Streifen gibt. Wenn ein Auto entgegen kommt, heißt es: so schnell wie möglich auf den Schotter links (ja, Linksverkehr!) ausweichen. Im Dunkeln gar nicht so einfach, wenn ein Auto mal kein Licht hat.

Endlich kommen wir an der Grenze an. Totales Chaos, umringt von Einheimischen und Soldaten, niemand hat irgendeinen Plan was zu tun ist. Wir stellen uns an die nächst beste Schlange an und zwei Stunden später rücken wir mit unserem Ausreisestempel weitere wertvolle Meter Richtung Grenze vor. Mit dem Ausreisestempel und der naiven Hoffnung auf Besserung geht es über eine wackelige Brücke nach Simbabwe. Nachdem wir dort herum geirrt sind, finden wir endlich einen offiziell aussehenden Beamten und landen im Büro des „Supervisors“. Hier bekommen wir die Gelegenheit bei einem kühlen Wasser unsere Situation zu schildern und finden ein offenes Ohr. Nach einem weiteren Gang durch‘s Irrenhaus mit unserem Passierschein – das ganze erinnert uns doch stark an Asterix und Obelix – gelangen wir zu einer Tür. Durch diese Tür verschwinden schwupps unsere Papiere der Autos samt 70\$. Nach spannenden 20 Minuten des Wartens bekommen wir unser ersehntes TIP (Temporary Import Permit). Die nächsten drei Stempel gibt‘s recht schnell und nach „entspannten“ sechs Stunden Bürokratiehorror sind wir genau zwei Kilometer näher an Bulawayo als zuvor. Die weitere Fahrt nach Bulawayo kostet uns neben einer weiteren Übernachtung noch etliche Nerven, aber am nächsten Mittag treffen wir wohlbehalten bei Derrick ein.

Team Bus (Patrick, Lena, Jens und Ole) erdultet das ganze inmitten der Nacht. Unsanft werden wir um 2 Uhr morgens geweckt. So, alle aussteigen. Wir stellen uns an eine hundert Meter lange Schlange an, die in ein herunter gekommenes Lagerhaus mündet. Dort sitzen drei Beamte an verstaubten Computern und dreschen die Stempel in die Pässe. Obwohl mitten in der Nacht, wissen wir immerhin so ungefähr wo wir hin müssen – wir dackeln einfach den anderen aus dem Bus hinterher. Und so sind auch wir nach nur 5 Stunden über der Grenze.

In Bulawayo werden wir von Derricks Mutter in seinem Haus in Empfang genommen. Dabei handelt es sich genau genommen nicht um ein Haus, sondern ein ganzes Anwesen mit drei Häusern umgeben von einer Mauer mit Stacheldraht. Sie quartiert uns in das Haus von Derricks Bruder Neville ein. Derrick ist mit der Haupterschließer in Simbabwe und kennt sich enorm gut aus.
Neville ist zur Zeit außer Haus und uns steht das gesamte Haus, samt Pool, zur Verfügung. Wiedervereint und erleichtert fahren wir zum Einbouldern in das lokale Bouldergebiet „Hillside Dams“ in einem Park mitten in der Stadt. Umgeben von exotischen Pflanzen schauen die Boulder zwar ganz hübsch aus, die Felsqualität ist aber nicht so berauschend.
Aus Erzählungen und Berichten haben wir vom Matobo Nationalpark gehört. Dort soll es ein riesiges Potential an Klettereien aller Art geben. Deshalb packen wir unser Geraffel in die überladenen Autos und fahren für ein paar Tage ins Hinterland. Das Gebiet ist gigantisch. Auf dutzenden Quadratkilometern liegt ein Granitei auf dem anderen, durchzogen von Rissen. Hier soll ein 8a+ Trad Projekt geben und unsere Trad-Crew Ole und Jakob juckt es in den Fingern da mal reinzuschnuppern. Nach mehrtägiger Schinderei und Hautverlust zwingt sie der steile Hand- und Fingerriss doch in die Knie. Gegen die Frustration klettern die beiden dann die Route „Freak Brothers“ (FA, 6+), einen Offwidth – das können die beiden mittlerweile. Matti gelingt in der Zwischenzeit die Erstbegehung des Schulterrisses „Aller Tode sind drei“ (FA, 5). Ein hervorragendes Gebiet für wilde Schrubberei! Am darauffolgenden Tag greifen wir nach Größerem. An der „Hambushaba-Wall“ wiederholen Lena und Matti die Mehrseillänge „Baboon calling“ (6c+), Der Name ist hier Programm als bei Sonnenaufgang im Busch die Affen brüllen. Zurück am Wandfuß erwartet uns ein Empfangskomitee aus neugierigen Einheimischen. Beim Austausch von Keksen stellen wir unser Material vor, das begeistert begutachtet wird.

Nebendran klettern Ole und Jakob die 180 Meter Tour „Holiday from Boulder Holiday“ (FA Trad, 6). Über eine wacklige Einstiegsplatte erreicht man hier einen markanten Offwidth-Riss, der mitten durch die Wand zieht. Jakob schrubbt sich wie ein Weltmeister den 50m langen Offwidth zur Erstbegehung hoch. Für Ole und Jakob war das wohl eines der Highlights des Urlaubs. Es kommt nicht oft vor, dass die Linie in einer großen Wand aufgeht und alles so perfekt hinhaut.
Obwohl der Park ein riesen Potential für Trad Kletterei bietet ist das Potential für Boulder relativ überschaubar. Blöcke rund wie Eier sehen gigantisch aus, sind aber meist zu glatt, mal ganz abgesehen von der Höhe. Generell kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Boulder in Simbabwe die Standardboulderhöhe definitiv überschreiten. Viele von uns sind anfangs eher zögerlich in so hohe Blöcke einzusteigen, doch in den drei Wochen werden wir alle besser, unsere Konzentration auch in dieser Höhe aufrecht zu erhalten. Die wohl markanteste Entwicklung geschieht bei Matti, der am Schluss in Chimanimani einen acht Meter hohen Highball mit sehr dynamischem Zug an der Dachkante erstbegeht. Doch davon später mehr.Trotz Gesuche und Frustration, dass in vielen Killer-Linien einfach keine Griffe sind, machen wir einige schöne Erstbegehungen. Nachdem wir die Vorgärten der Einheimischen, die in einfachen Lehmhütten wohnen und uns kurzerhand für verrückt erklären als wir da haushohe Blöcke beklettern, durchqueren, gelangen wir zu einer Ansammlung von Blöcken auf einem kleinen Hügel. David klettert „I‘m feeling like a horse“ (FA, 7b).Zurück in unserem Basecamp in Bulawayo sorgen wir mit einer großen Burgerrunde für ein leckeres Abendessen als Dankeschön für die Gastfreundschaft. Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu unserem eigentlichen Ziel, dem Chimanimani Nationalpark. Weitere 800 Kilometer Autofahren. Google Maps sagt, man brauche nur ein paar Stunden, Dan – weitaus erfahrener als Google Maps – rechnet eher mit 10. Und wie erwartet werden wir von der Dunkelheit gezwungen auf einem schäbigen und dunklen Zeltplatz am Rande einer Kleinstadt zu übernachten. Nachts weckt uns ein Hund mit bestialischem Gebell und bleibt beharrlich vor unseren Zelten stehen. Das ist das ein bisschen gruselig, jedoch besser als nachts auf den Straßen Simbabwes unterwegs zu sein, auf denen Hunde zu den kleineren Hindernissen gehören. Unsere Mietwagen wären einer gehörnten Kuh wohl nicht gewachsen gewesen, die Einheimischen haben eher einen Bullenfänger als Licht am Auto.

Wie wir das riesige Blockfeld Chimanimanis erkunden erfahrt ihr in Teil 2 des Berichts.

Schaut auf jeden Fall auch in unseren Trailer rein. Das ganze Video kommt demnächst!

Trailer

 

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