Wie berichtet, stehen am Burgfelsen des Reußensteins (Lenninger Alb) umfangreiche Felssanierungsmaßnahmen an. Aktuell sind der Burgfelsen sowie die beiden Nebenfelsen Südost‑Felsen und Mittelfels für den Klettersport gesperrt. Kletterverbände, der AKN Lenninger Alb und die Bergwacht setzen sich seit Monaten dafür ein, dass das Kletterverbot wieder aufgehoben wird – an den nicht von den Sanierungsmaßnahmen betroffenen Nebenfelsen möglichst zeitnah und am Burgfelsen nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen. Nun ist man einer Lösung ein Stück näher gekommen.
Der Reußenstein zählt zu den besten Kletterfelsen der Schwäbischen Alb. Foto: Ronald Nordmann
Schrittweise Freigabe der Felsen
Am 12.5.2026 fand ein Ortstermin mit dem Landratsamt Esslingen statt. Nach Erläuterungen zum Umsetzungsstand der Fels‑ und Mauerwerkssanierung sowie zur teilweisen Umsiedlung des an den Felsen vorkommenden Kalk‑Pionierrasens durch das begleitende ökologische Fachbüro konnte eine konstruktive und tragfähige Basis für weitere Gespräche geschaffen werden. Nach Aussage des Landratsamtes können nun weitere Maßnahmen für die zügige Freigabe der beiden Nebenfelsen erfolgen. Gemeinsames Ziel ist es, die Belange des Kletterns und des Naturschutzes in Einklang zu bringen.
Weitere Umlenkhaken zum Schutz des Kalk-Pionierrasens
Der AKN Lenninger Alb wird durch Optimierungsmaßnahmen die Kletterrouten am Südost‑Felsen und am Mittelfels im Zuge der Wiederfreigabe noch naturverträglicher als bisher gestalten. Um die besonders sensiblen Bereiche auf Felsköpfen und in Wandbereichen zu schützen, hat man sich darauf verständigt, im Bereich der Kletterrouten zusätzliche Umlenkhaken anzubringen und im Kletterführer weitere Hinweise zu ergänzen.
Geschützter Lebensraum Kalk-Pionierrasen auf einem Felskopf am Reußenstein mit Weißem Mauerpreffer und Bleichem Schwingel. Foto: H. Wiening/DAV-LV
Kalk-Pionierrasen – um was geht es da?
Kalk‑Pionierrasen sind niedrige, artenarme Pioniergesellschaften auf trockenen, basenreichen, flachgründigen Rohböden, meist auf Felsköpfen und im Bereich der Felskanten. Sie beherbergen spezialisierte, trockenheitsliebende und trittempfindliche Pflanzen. Typische Arten, die auch am Reußenstein vorkommen, sind: Mauerpfeffer (Sedum acre, S. album), Bleicher Schwingel (Festuca pallens), Kalkblaugras (Sesleria caerulea), Berglauch (Allium montanum). Pionierrasen sind auch Lebensraum für wärmeliebende Insekten und Reptilien. Kalk‑Pionierrasen gehören zum FFH‑Lebensraumtyp 6110 „Basenreiche oder kalkhaltige Pionierrasen“. Dieser Lebensraumtyp ist besonders geschützt ("prioritär") nach der Fauna‑Flora‑Habitat‑Richtlinie (Natura 2000). In FFH‑Gebieten besteht eine rechtliche Verpflichtung, den Erhaltungszustand von Kalk‑Pionierrasen zu sichern oder zu verbessern. Bei der Sanierung des Burgfelsens soll der Kalk-Pionierrasen erhalten bleiben. Lebensraumverluste sollen durch Ausgleichsmaßnahmen an anderen Felsen im Gebiet kompensiert werden.
Berglauch auf dem Südost-Felsen des Reußensteins. Foto: H. Wiening/DAV-LV
Sanierung des Burgfelsen ab August 2026
Die Sanierungsarbeiten am Burgfelsen sollen im August beginnen. Der DAV hofft, dass sich erhebliche Beeinträchtigungen und Zerstörungen in Grenzen halten – für den Erhalt der Felsnatur und für das naturverträgliche Klettern. Das Thema Reußenstein wird uns also auch in den nächsten Monaten noch beschäftigen.
Wir weisen darauf hin, dass der Burgfels (Hauptfels) bis auf Weiteres für das Klettern gesperrt ist.
Homepage AKN Lenninger Alb
https://akn-lenningeralb.de/
Pressemitteilung LRA Esslingen
Pressemitteilung 13.5.2026 [PDF]






